Zuerst einmal hier die KlĂ€rung beider Begriffe, die oft fĂŒr Verwirrung sorgen:
Graphic Recording:
Hier zeichnet und begleitet der grafische Visualisierer simultan und live. Meist auf groĂen Papierbahnen an der Wand oder an mit Papier bespannten Big Boards. Er fasst die Kernaussagen zusammen, bebildert, findet bildhafte Analogien und ordnet thematisch. Typische Veranstaltungen sind Kongresse, Town Hall Meetings, Workshops, GroĂveranstaltungen jeglicher Art. Ziel ist eine âGesamtschauâ der Veranstaltung zu erhalten, die die Kommunikation nach innen und auĂen unterstĂŒtzt.
Visual oder Graphic Facilitation:
Auch hier wird gezeichnet, zusammengefasst und Kernpunkte ermittelt. Das kann auf einem âBig Paperâ passieren, genauso hĂ€ufig protokolliert man auch per Sketch Noting im Normal-Format am Tisch. Entscheidend fĂŒr das Gelingen ist eine gute Absprache mit dem Moderator ĂŒber Vorgehen, Zielsetzung und erwĂŒnschte Ergebnisse.
Beim Graphic Facilitation geht es in erster Linie darum, den Teilnehmern zu helfen (to fascilitate = erleichtern), den Prozess zu verstehen, Komplexes herunter zu brechen, durch Visualisierung einen Zugang zu ermöglichen. Typische Settings sind hier: Meetings, Workshops, Innovations- oder VerĂ€nderungssituationen, demnach auch Prozesse, die ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum begleitet werden sollen.Ziel ist, den Beteiligten ein tieferes VerstĂ€ndnis zu vermitteln â als Voraussetzung fĂŒr die konkrete Umsetzung.
Graphic Recording und Graphic Facilitating, beide dienen also dem Verstehensprozess und unterstĂŒtzen dabei, komplexe Sachverhalte zu erleichtern, Perspektivenwechsel vorzunehmen und ganze Projekte visuell zu kommunizieren.
Beide Methoden halten Mehrwert bereit, wenn Teilnehmer im visuellen Entstehungsprozess eingebunden sind, mit dem Graphic Recorder/Facilitator also ins GesprÀch gehen und eigene Gedanken und Aussagen einbringen.
Nachdem wir seit Jahren Trainings fĂŒr grafische Visualisierung geben, erreichen uns immer mehr Anfragen, ĂŒber den Fortgeschrittenen Kurs hinaus, auch Graphic Recording zu lernen. Daher ist unser nĂ€chster Kurs am 16.11.2018 ein Schwerpunkt-Workshop âGraphic Recordingâ.
Wir möchten euch hier schon einmal ein paar Tipps an die Hand geben.
1) Visualisiere, wann immer du kannst.
In der U-Bahn (GesprÀch von Mitreisenden), im Team-Meeting, wÀhrend einer Tisch-Diskussion, wenn du deinem Sohn Mathe erklÀrst.
2) Sammle gelungen Visualisierungen (Best Pics), Ideen, die mehrfach verwendbar sind.
Du wirst bald erkennen, dass viele Zeichnungen mehrfach verwendbar sind (s. z.B. der Mund-Sprechblase).

3) Lege dir ein digitales Repertoire deiner Best Pics an.
Versuche sie nach Themen zu ordnen (wie z.B. MobilitÀt, Welt/Umwelt, Erziehung).
4) Greife immer wieder auf deine Best Pics zurĂŒck und fĂŒge gleichzeitig neue hinzu.
So etablierst du ein Kontingent von sicher beherrschbaren Bildern. In der live Situation stabilisiert es dich psychisch, zu wissen, dass dein Gehirn viele Bildideen parat hÀlt.
5) Der erste Schritt nach drauĂen: niederschwellig einsteigen.
Ein Event, wo es nichts macht, wenn das Graphic Recording noch nicht hundertprozentig gelingt. Auf einer Zusammenkunft mit Freunden, auf einer Spenden-Veranstaltung oder Àhnlichem. Arbeite da ruhig als Volunteer, also ohne Geld. Vermittle dem Kunden aber auch klar, warum das nichts kostet. SpÀter willst du damit ja Geld verdienen.
6) Ăben mit Sketch Noting
Eine ideale Methode, die sehr nahe dem echten Graphic recording kommt, ist das visualisieren mit Podcasts. Eine wunderbare Quelle ist die Deutsche Welle. Du kannst hier quer durch alle soziale, wirtschaftliche und Welt-Themen hören! Und dazu visualisieren. Jederzeit auf Pause gehen, dir die Audio-Datei noch einmal anhören und dein Sketch-Noting neu strukturieren. Tipp: Bleibe an einem Podcast und entwickle dazu verschiedene Bilder. Das hilft dir ĂŒber den Tellerrand zu denken, deine Bandbreite zu erhöhen und verschiedene Varianten zuzulassen.
7) Klare Aufteilung deines Bildes - die Abfolge:
- Erster Schritt: Aufteilung/Layout skizzieren
- Zweiter Schritt: Ăberschriften/Themen definieren
- Dritter Schritt: Verbindungen herstellen
- Letzter Schritt: Dekorative Arbeit + kolorieren
8) Verstehe deinen Typ
Graphic Recorder zu sein, heiĂt vor vielen Menschen zu stehen, die dir zusehen und dich beobachten. Gleichzeitig musst du dich, oft auch mal 8-10 Stunden, voll konzentrieren können. Das ist Höchstleistung fĂŒr dein Gehirn, das dabei ĂŒbrigens auch perfekt trainiert wird. Du stehst die ganze Zeit, musst oft auf die Knie (wenn du weiter unten zeichnest) oder dich richtig strecken um die Ăberschrift oben zu schreiben.  Das bedeutet, körperliche Fitness ist bei diesem Job nicht ganz unwichtig. Darum frage dich:
- Wie geht es dir, wenn du vor vielen Menschen sprichst?
- Ist das eine leichte Ăbung fĂŒr dich?
- Kannst du dich gut fokussieren, also auf nur eine! Sache konzentrieren?
- Wie fit fĂŒhlst du dich?
- Magst du den Umgang mit Kunden?
Smalltalk können und selbstsicheres Auftreten zeigen, ist als Graphic Recorder unerlĂ€sslich. Graphic Recording ist zuerst eine Dienstleistung und kein Illustrator- oder Graphiker-Job. Du bist da drauĂen!
Wenn du alles mit Ja beantworten kannst, gehe zurĂŒck zu Punkt 1.
Wir von Grafische Visualisierung wĂŒnschen dir viel SpaĂ beim Ăben, wenn du Fragen hast, kontaktiere uns gerne. Und wie gesagt, der nĂ€chste Kurs fĂŒr Fortgeschrittene ist am 16.11.2018 und im nĂ€chsten Jahr gehtâs mit einem Basic Kurs am 8.2.2019 weiter.